Auf der Hebebühne

Damit die Fahrzeuge den Bahnsteig wirklich freipfeifen und nicht als Rodeo on Speed Kommando an die Wand havarieren, ist eine Trimmung der unterschiedlichen Chassis und Fahrwerke unumgänglich. Stichwort ist an dieser Stelle der Schwerpunkt der Fahrzeuge. Je tiefer der Schwerpunkt, desto besser und sicherer fährt sich das Auto. Wer schon mal ein Fahrzeug mit Metallchassis (Schöler, Schmidbauer mit Uniadapter) gefahren hat kennt diesen Unterschied. Auch steigt die Sicherheit in schnell durchfahrenen Kurven merklich an. Gern verwendete Bahnschienen wie Schikane (Engstelle), Spurwechsel, Abzweigstück und Bergstrecke können mit wesentlich höheren Geschwindigkeiten durchfahren werden.
Von Überfahrt oder Looping ist generell abzuraten. Wir haben in zahllosen dokumentierten Versuchsreihen Trimmsets für die unterschiedlichen Chassistypen und Aufbauten entwickelt. Die Trimmsets bestehen nicht aus punktuell aufgeklebten Bleigewichten vom Reifenhändler, sondern aus speziell auf das Chassis zugeschnittenen Platten.
Manche kommen mit sehr wenig Trimmung aufs Siegertreppchen, andere brauchen schon etwas mehr an den richtigen Stellen. Damit können sogar aus den aufgeblasenen Trucks von GB-Fly ernstzunehmende Konkurrenten werden auf der Bahn – einen satten Motor haben sie von Haus aus schon im Chassis eingebaut.

Zu einem Rennfahrwerk gehört neben der richtigen Trimmung auch ein Blick auf die Spurweite. Bauen interessierte Herren in 1:1 Fahrzeuge draussen in der Garage Spurplatten ein, erfüllt das nur einen technischen Zweck: Sie liegen danach wie auf Schienen. Genauso funktioniert das mit den Slotcars. Zum Teil müssen filigran die Radkästen von innen bearbeitet werden, da mancher Hersteller die Karrossen sehr dickwandig ausliefert – der Effekt ist allerdings direkt spürbar. Legt man nun noch die Karrosse tiefer hat man zum Schluss ein völlig anderes Auto und ist erstaunt, wenn ein erwachsen gewordener Low Rider aus der Carrera Evo Serie einen Mehrzweck- Frontaljäger (z.B. BMW M1 von Fly) im Rückspiegel gierig züngelt und bei nächstmöglicher Gelegenheit konsequent im Stil der Dampframme vorbeibügelt…
Gegebenenfalls auch den Gegner im gekonnten Heckdrift mit klassischer Stock Car Taktik deslotten lässt. Wobei die Evo Muscle Cars insgesamt vom Aufwand her betrachtet eine echte Tuningherausforderung darstellen. Geduld ist nur ein Wort, Bier auch: Es waren endlose Test-Trimmungen und Rückschläge notwendig bis endlich die Performance gestimmt hat. Das Orginalfahrwerk ist unvorteilhaft engagiert in der Mission der Badewannenrennen unterwegs, wenn diese Undertaker in gefordertem Modus über die Bahn gescheucht werden. Über Bergstrecke oder hochgelegte Bahnabschnitte braucht man erst gar nicht anfangen nachzudenken. Die Konsequenz besteht im Regelfall darin sie in die Vitrine zu stellen und ein Ticket als Dauerparker auszuschreiben. Das war uns zu langweilig, Autos sind schließlich zum fahren da: Verpasst man den Dickschiffen eine aufwendigere Rundumtrimmung gibt es ready to race befeuert auf der Unibahn kein Pardon mehr. Sie packen aus mit brachialem Vorschub. Dafür dann das breiteste Grinsen beim Fahrer. Schneidet man ihm aus reinstem Pragmatismus heraus als fundierter M1 Fahrer beim Boxenstop die Ohren ab, verläuft das Grinsen schlagartig rundherum um die Kartoffel… ein gut eingelaufener E 200er Evo Motor hat eben von Haus auch genug Reserven, die ins Getriebe eingezimmert werden.
Fazit: Es kann doch sein, was nicht sein darf.
Auf den beiden Fotos sind beispielhaft zwei unterschiedliche Chassistypen im Renntrimm abgebildet.
